Wein wird durch harte Arbeit vom Winzer produziert, um von Weinliebhabern in der ganzen Welt getrunken zu werden. Nur, ist Wein auch als Kapitalanlage geeignet?

Einiges spricht dafür, besonders in den jetzigen Zeiten, wo sich viele Anleger ihre Finger bei hochspekulativen Anlagen auf dem Aktienmarkt verbrannt haben. Ebenso die tollen Immobilien, die heute noch nicht einmal mehr den Einstandspreis wieder-bringen oder leerstehen, oder mit Filmfonds, wo sich ja auch in der Zwischenzeit herausstellt, dass hier die aufgezeigten Prognosen bei weitem nicht erfüllt werden können.

Wein ist genau so eine Sachwertanlage wie Immobilien oder auch Gold. Ein großer Wein kann nie wertlos werden - im allerschlechtesten Fall kann man ihn trinken. Er hat auch den Vorteil, im Gegensatz zu Immobilien, dass man die Flaschen je nach Bedarf stückweise verkaufen kann. Eine Immobilie ist nur schwer in kleine "Einhei-ten" aufzuteilen. Beim Wein ist es ähnlich wie beim Gold, wo es auch besser ist, statt einem Kilobarren lieber in Unzen oder in Krügerrand zu investieren. Einer meiner Kunden verkauft mir jedes Jahr einige Flaschen Wein aus seinem sehr gut gepflegten Keller, um damit seinen Sommerurlaub zu finanzieren. Wer also rechtzeitig die richtigen Weine gekauft hat, kann sich glücklich schätzen und würde im Verkaufsfall beeindruckende Gewinne vorweisen können.

Es gibt einen Vergleich, wo die Wertentwicklung von Aktien, Gold und Wein über 30 Jahre verglichen wurde. Hier wurden der Goldpreis, der Deutsche Aktienindex und der Wert von fünf renommierten Bordeaux-Weinen verglichen. Die jeweilige Steige-rung, von einem angenommenen Ausgangswert von 1.000 Punkten wurde von 1971 bis 2001 miteinander verglichen, und das sind immerhin 30 Jahre. Der Wert von Gold stieg auf 6.517 Punkte, der Aktienindex auf 11.192 Punkte und der ausgesuchte Wein auf 162.323 Punkte - also um mehr als das Zehnfache wie die Aktien!

Das Grundprinzip für den Wert eines Weines unterliegt dem Gesetz von Angebot und Nachfrage. Hier ist es wie mit Immobilien: Immobilien in Spitzenlagen werden sicherlich im Wert mehr steigen als in Randlagen. Und genau so ist es auch beim Wein. Je höher die Qualität, desto höher die Wertsteigerung.

Welche Weine sind als Kapitalanlage geeignet?

Nur Weine von höchster Qualität, die in begrenzten Mengen in einer genau bezeichneten Lage produziert werden und ein langes Leben vor sich haben. An erster Stelle kommen die Spitzenweine aus Bordeaux in Frage. Hier haben die besten Châteaux eine jahrhundertelange Zuverlässigkeit bewiesen. Ausserhalb von Bordeaux gibt es einige wenige Weine, die als Anlageweine Potenzial haben. Grosse Weine aus Burgund (zum Beispiel Domaine Romanée Conti und Leroy) und Rhône (Jaboulet, Guigal und Rayas) konnten gute Wertentwicklungen erzielen.

Weißweine sind nur in Ausnahmefällen als Anlage geeignet. Hier kämen also höchstens die besten edelsüßen Weine der Welt in Frage, aber die Erfahrung hat gezeigt, dass es wegen der kleineren Absatzmärkte für diese Weine selten größere Preissteigerungen gibt.

Weine aus der Neuen Welt oder neue Mode-Weine sind ebenso bedenklich. Es gibt jedes Jahr eine Handvoll neuer Entdeckungen, aber es ist äusserst zweifelhaft, ob diese Weine in Zukunft eine dauerhafte Wertsteigerung haben werden. Das Problem liegt einerseits in der Vermehrbarkeit dieser Weine und andererseits in der Unsicherheit, wie sich der Wein weiter entwickeln wird.

Es wurde schon vor über 200 Jahren mit Wein spekuliert. Besonders in den letzten 20 Jahren ist aber die weltweite Nachfrage stark gestiegen. Die großen Bordeaux-Weine wurden früher hauptsächlich in Großbritannien, Belgien, den Hansestädten in Deutschland und sonst überwiegend in den Spitzenrestaurants der Welt getrunken. Das Weininteresse an Bordeaux-Weinen hat weltweit stark zugenommen, besonders in Westeuropa, Skandinavien, Nordamerika und nun auch zunehmend in Japan, Singapore und Taiwan. Wenn man aber bedenkt, dass ein großer Teil der restlichen Bevölkerung in dem ehemals kommunistischen Osteuropa noch gar nicht begonnen hat, sich für Wein zu interessieren und dass es in der Volksrepublik China eine stark zunehmende Zahl von Dollarmillionären gibt, ist in den nächsten Jahrzehnten mit einer weiter steigenden weltweiten Nachfrage zu rechnen.

Was beeinflusst die Nachfrage?

Nachfrage ist an erster Stelle abhängig von der Qualität und von der Beurteilung der Weine durch die Presse und andere Meinungsmacher. Hier ist immer noch die Beurteilung des amerikanischen Weinjournalisten Robert Parker ein immens wichtiger Faktor. Dieser betrifft am stärksten den "En-Primeur"-Handel, wo der jüngste Bordeaux-Jahrgang angeboten wird. Hier lagern die Weine noch im Fass und werden im Frühjahr nach der Ernte den Journalisten vorgestellt. Die Gefahr beim Investment in den "En-Primeur"-Handel liegt darin, dass sich Weine auch anders entwickeln können als das Fassmuster verspricht. Es ist kein Geheimnis, dass die wichtigsten Journalisten Fassproben von überdurchschnittlich guten Fässern vorgestellt bekommen. Ein weiterer Risikofaktor ist, dass niemand sagen kann, wie die nachfolgenden Jahrgänge werden. Falls ein noch besserer Jahrgang folgt, wird die Nachfrage nach dem vorangegangenen Jahrgang sofort schwächer.

Was beeinflusst das Angebot?

Das Angebot ist abhängig von der Anzahl der Flaschen, die zu einer bestimmten Zeit verfügbar sind. Dies hängt erstens von der Menge ab, die überhaupt produziert wurde - hier sind berühmte Châteaux wie Pétrus oder Le Pin gute Beispiele, die durch geringe Produktion überdurchschnittlich hohe Preissteigerungen erreicht haben.
Zweitens wird der Preis von der Anzahl der auf dem Markt angebotenen Flaschen beeinflusst. Hier spielt die Reife der Flaschen eine Rolle. Ein Spitzenwein aus Bordeaux braucht in der Regel etwa zehn Jahre, um seine erste Trinkreife zu erreichen. Vor Ablauf dieser Zeit verringert sich die Anzahl der Flaschen nur geringfügig. Aber ab dem Zeitpunkt derTrinkreife nimmt die Anzahl durch jede getrunkene Flasche schnell ab.
Dazu kommt natürlich noch die Frage, wieviel auf dem Markt überhaupt noch zum Verkauf steht. Wenn die Flaschen in Privatkellern liegen statt in den Lagerhäusern der Weingüter oder beim Handel, kann man von stark steigenden Preisen ausgehen. Ein weiterer Umstand, der auch eine Rolle spielt, ist die Bereitschaft von privaten Sammlern, sich von ihren Weinen zu trennen. Das tun sie in der Regel nur dann, wenn sie ganz dringend Geld brauchen. Das heisst, bei Rezession oder bei einem Börsenkrach gibt es mehr Verkäufer als zu Boom-Zeiten. Wir können also sehen, dass es viele Faktoren gibt, die den Preis eines Weines beeinflussen.

Es gibt einige Grundregeln, auf die man achten sollte, um Erfolg zu haben:

1.) Die richtigen Weine kaufen. - Hier ist eine ausgezeichnete Fachkenntnis erforderlich.
2.) Für eine ordentliche und fachgerechte Lagerung sorgen.
3.) Am besten in Originalgebinden kaufen und verkaufen. Eine ungeöffnete Original-Holzkiste bringt mehr als einzelne Flaschen.
4.) Wie überall sonst, ist der Gewinn abhängig von günstigen Einkaufs-und hohen Verkaufspreisen.

Eine Privatperson, die beim Weinhandel ihre Weine kauft, zahlt die Handelsspanne inklusive die Mehrwertsteuer beim Händler mit. Beim Verkauf an den Handel muss der Handel seine Handelsspanne und wieder Mehrwertsteuer in seinen Preis einrechnen. Es ist also deutlich, dass der Wert eines Weines dann um mindestens 50% steigen muss, damit überhaupt ein Gewinn übrigbleibt. Beim Kauf und Verkauf bei Versteigerungen bleibt etwas mehr übrig, dafür gibt es aber mehr Unsicherheit über den Zustand der Weine und den endgültigen Preis.

Eine besonders interessante Alternative sind die wenigen auf dem Markt befindlichen Wein-Fonds. Diese werden immer beliebter. Vorteil ist hier, dass sie von erfahrenen Wein-Profis gemanagt werden, die für den Einkauf und die Lagerung zuständig sind. Diese haben in der Regel auch gute Kontakte in der Branche und können auch des-halb zu niedrigeren Preisen einkaufen als Privatpersonen. Einige Fonds arrangieren auch den Verkauf der Weine und holen auch dort mehr heraus als ein Privatsammler erzielen könnte.
Es gibt zwei verschiedene Fonds-Arten, und zwar Fonds, die in trinkreife investieren und Fonds, die auf dem En-Primeur-Markt investieren, also quasi eine Subskription auf Fonds-Basis machen.
Alternativ kann ein Anleger, der vom Wein etwas Ahnung hat, diese Subskriptionen bei den großen Weinhandelshäusern selbst tätigen. Der Käufer spart sich dann nicht nur das Agio sondern auch die Verwaltungs-, Lager- und Versicherungskosten, die bei einem Fonds anfallen.
Wer Glück hat, in einen grossen Jahrgang auf dem En-Primeur-Markt einzusteigen, kann im ersten Jahr gute Wertsteigerungen erzielen. In der Regel passiert dann über die nächsten zehn Jahre wenig, bis zur ersten Trinkreife des Weines. Es macht daher Sinn, Weine erst zu diesem Zeitpunkt einzukaufen. Erstens ist die Qualität des Weines bekannt und die dadurch zu erwartende Nachfrage besser einzuschätzen.
Zweitens werden, wie oben beschrieben, erfahrungsgemäss die Preise durch die Relation Angbot zu Nachfrage steigen.
Denn hier gilt die Regel: Alles was gut ist und knapper wird, muss teurer werden.

Wichtig bei allen Fonds ist jedoch, zu überprüfen, welche Reputation in erster Linie nicht nur die Fonds-Herausgeber haben sondern auch die Personen, die für den Einkauf der richtigen, wertsteigerungsfähigen Weine zuständig sind. Alles in allem kann gesagt werden, dass Wein, insbesondere aus Bordeaux, weltweit nicht nur ein ausgezeichnetes Wertsteigerungspotenzial hat sondern dass es sich auch um eine solide Sachwertanlage handelt, denn: Ein guter Wein wird niemals wertlos!

Jan-Erik Paulson, der Autor dieses Artikels, betreibt seit vielen Jahren einen Weinraritätenhandel und ist für das Management des Weininvestment-Fonds Rare Wine Pool 1 verantwortlich.